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Nachdem wir gestern uns entschlossen haben die Flaute abzuwettern, nutzen wir die Gelgenheit für einen Strandspaziergang. Die dänische Küste war im ersten und zweiten Weltkrieg hart umkämpft, insbesondere der Zugang zur Ostsee durch das Skagerrak.

In Dänemark wird an beide Kriege erinnert an denen das Deutsche Kaiserreich und das sogenannte 3. Reich maßgeblich beteiligt war. Die Erinnerung erfolgt aber neutral und ohne Schuldzuweisungen. Es werden die Ereignisse erinnert und der Opfer gedacht.

So auch der Skagerrakschlacht bzw. der Battle of Jutland zwischen dem Deutschen Reich und dem Vereinigten Königreich im Jahre 1916 mit annähernd 10.000 Toten. Für die Opfer wurden in den Dünen eine Gedenkstätte errichtet. Für jedes gesunkene Schiff steht ein Granitstein mit dem Schiffsnamen in den Dünen als Gedenken und Mahnmal an den unchristlichen Teil der "christlichen Seefahrt".

Wetter: DMI.DK
Wednesday the 7. October 2020.
There is gale warning for German Bight.

West or southwesterly flow of unstable cold air mass with a lot of showers, locally with thunder or hail, over the area. A low, 1000 hPa, west of Ireland is rapidly moving east and is expected over German Bight Thursday noon. The associated warm front with widespread rain moves in over the southern part of the area Thursday morning.

Marine Forecast, valid to Thursday noon, issued at 11.10.

Skagerrak

Southwest 5 to 10 m/s. Good visibility.

Fisher

West 7 to 12 m/s. Good visibility. Significant wave height: 2 m. Swells: 1,5 m.

Um 13:30 Uhr legen wir ab. Da wir einen günstigen ablandigen Wind haben, zumindest an unserem Liegeplatz, wollen wir versuchen unter Segeln abzulegen. Zur Sicherheit lassen wir aber den Motor mitlaufen. Wir rollen die Genua aus und lassen den Bug vom Wind wegdrücken. Achterleine los und schon geht es (fast) zwischen den Pfählen hinaus. Naja, etwas Motor brauchen wir dann doch kurzfristig. Den restlichen Hafen erledigen wir dann unter Segel.

Wir können fast bis hinaus auf die Nordsee segeln, lediglich an den Molenköpfen zum Eingang des Limfjord erspart uns ein erneuter 5 Minuten Einsatz des Motors eine Wende. Dann geht es erstmal entlang der dänischen Küste nach Norden. Der Wind kommt für uns raumshots und wir machen gute 6 kn Fahrt. Die Welle kommt vierkant, lässt sich aber leicht aussteuern. 

Später deuten dunkle Wolken einen Regenschauer an. Wir schlüpfen alle ins Ölzeug und reffen die Genua. Dann geht es auch schon los. ein kurzer Regenschauer mit Böen zieht durch. Der Vollwaschgang bleibt für uns aber aus, wir haben die Zeichen erkannt und richtig gedeutet. 

Nach dem Schauer dreht der Wind für uns auf Halbwindkurs. Wir packen das Gross im 2. Reff aus und nehmen die Genua dazu. Jetzt rennt die Kalami Star, als wollte sie noch vor im Ziel sein. Man kann es nicht anders sagen, es läuft wie geschnitten Brot. Bei der Geschwindigkeit können wir bis Skagen durchfahren statt ins Hirtshals zu pausieren. 

So reift ein Plan…

Um 18:00 Uhr, 1 Stunde vor unserer Berechnung, stehen wir vor Hanstholm. Es kündigt sich der nächste Schauer an und da wir für die Nachtfahrt mit mehr Wind und einem Winddreher rechnen, wollen wir das Gross bergen und mit der Genua weiterfahren.

Es bietet sich natürlich an, den Vorhafen von Hanstholm für das Segelmanöver zu nutzen. Wir segeln in den wirklich großen Vorhafen und packen alles ein, was wir in den nächsten Stunden nicht mehr brauchen. Dann gibt es noch eine kleine Hafenrundfahrt. 

Hanstholm ist ein wirklich großer Hafen, der aber ausschließlich von kleinen, großen und noch größeren Fischern und Hochseefischern genutzt wird. Der Hafen ist gut befeuert und bietet für Segler im Vorhafen viel Platz für Segelmanöver. Die Hafeneinfahrt zeigt nach Norden, sodass der Hafen eigentlich bei jedem Wetter gut anzulaufen ist. Es ist aber ein Fischindustriehafen, der für Segler wirklich keinen Charme hat. Aber in der Not kann man hier immer rein und findet auch einen Platz zum Abwettern…

Wir ziehen mit unserer Genua lieber weiter hinaus in die Nacht. und überqueren die Jammerbucht, die ihren Namen sicherlich von den 50 Seemeilen her hat. Auf dem Wasser müssen wir zwischen einigen Fischerbooten durch, deren Lichterführung durch ihre Arbeitsscheinwerfer überdeckt werden. Man erkennt nur anhand des AIS in welche Richtung gerade die Schleppnetze und Grundnetze gezogen werden. Kommt man näher, sieht man auch “grün über weiß”. 

Wir machen gute Fahrt und zwischen einigen Regenschauern reißt die Wolkendecke auf. Die Stockdunklen Nacht geben die Wolken einen herrlichen Blick auf die Sterne und die Milchstraße frei. So einen schönen Anblick hat man sicherlich nur auf dem Wasser, weit ab von jeder Stadbeleuchtung. Wir befinden uns mitten in der Jammerbucht und uns ist bei dem Anblick überhaupt gar nicht zum Jammern. Einfach herrlich. 

Um MItternacht ist Wachwechsel. Ralf kommt, Cris geht, ich bleibe als Deckshand. Länger als 2 Stunden will und kann keiner bei dem Wetter am Ruder stehen und der Helmsman versagt bei der achterlichen See von 2 - 3 Metern seinen Dienst. Wir können aber zwischenzeitlich auf das Leuchtfeuer von Hirtshals zusteuern. Mit seiner großen Tragweite ist das ein guter Ansteuerungspunkt, der aber noch gute 20 Meilen entfernt ist 

Wir bringen die Kalami Star sicher und vor unserem Zeitplan an Hirtshals vorbei. Es geht erstmal weiter hinein in die dunkle Nacht. Das Leuchtfeuer jetzt im Rücken blitzt in das Segel und begleitet uns damit noch einige Meilen. Dann kommt auch schon das große Leuchtfeuer von Skagen am Horizont in Sicht. Erst als kleiner Lichtschein, dann klettert das Blitzfeuer über den Horizont. Da geht es lang. 

Um 06:00 Uhr legen wir den nächsten Wachwechsel ein. Ich wecke die Freiwache mit dem bekannten Ruf “Reise Reise”. Mit einer ausführlichen Übergabe erfolgt der Wachwechsel von mir auf Cris. Dann ziehe ich mich für ein paar Stunden zurück.

Gegen 7:30 Uhr krieche ich aus meiner Koje, um bei der Überfahrt von der Nordsee in die Ostsee dabeizusein. Um 7:41 Uhr ist es so weit. Wir gehen rund Skagen und haben damit unser Ziel erreicht. Die Grenze zwischen den beiden Meeren bildet eine Linie zwischen dem (großen) Leuchtturm in Skagen und dem Leuchtturm von Tistlarna (Schweden). Davon sehen wir natürlich nichts. Den Leuchtturm müssen wir weit an Steuerbord liegen lassen, da der Grenen mehrere Meilen ins Meer ragt. Insgesamt ist der Übergang von Nord- zur Ostsee also etwas unspektakulär. Dennoch kommt bei uns große Freude auf.

Vielleicht liegt es aber auch an der Vorfreude auf ein tolles Frühstück im warmen Salon, ohne Regen… So kommt es, nachdem wir um 09:00 Uhr im Hafen von Skagen fest sind. Die Heizung ist schnell in Betrieb und wärmt den Salon auf 25 Grad auf. Kaffee kommt auf die Backs und ein reichhaltiges Frühstück gibt uns einen Start in den Tag.