Wir legen pünktlich um 16 Uhr in Cuxhaven ab. Die Windvorhersagen geben uns südliche Winde, je nach Anbieter SSW bis SSO. Die Windgeschwindigkeit soll 20 kn betragen, mal mehr mal weniger. Da uns der Kurs “rund Skagen” zunächst (fast) genau nach Norden führt, rechnen wir durchgehend mit achterlichen Winden. Ein Wetter für die Genua, das Gross bleibt eingepackt. 

Wir verlassen den Hafen und auf der Elbe rollen wir die Genua aus. Zunächst mit etwas wenig Wind, aber in Höhe Neuwerk bekommen wir genug Schwung um das Fahrwasser zu queren. Es sind nur wenige große Pötte auf der Elbe unterwegs, sodass wir kaum von unserer Ideallinie abweichen. 

Klaus übernimmt den ersten Rudergang, er ist auch gerade erst an Bord gekommen. So bekommt er schnell ein Gefühl für die Yacht und bringt uns souverän in das Lüchterloch. Geschützt durch das Watt nimmt dort die Welle etwas ab. Zeit für das Abendessen. Ich schäle Kartoffeln, was bei der doch noch vorhandenen Welle eine kleine Herausforderung ist. Eine Hand für die Kartoffel, eine Hand für das Messer und eine Hand zum Festhalten… Irgendwie bekomme ich die Kartoffeln auf den Herd und das Gas ist leer… Flaschenwechsel an der Badeplattform bei 2 Meter Welle ist auch nicht die leichteste Übung, zumal dort eigentlich der Rudergänger stehen sollte.

Eine Stunde später steht Grünkohl mit Kassler und “Grünkohlwurst” (so verspricht es die Verpackung) auf dem … Herd. Wir haben zwischenzeitlich das Lüchterloch verlassen und sind über ein kleines Stück der Norderelbe auf die Nordsee raus. Hier schlagen einige Wellen mit 3 - 4 Meter zu (für den Winter: 8 - 12 Meter, denn im Winter sind die Wellen immer höher). Jeder bekommt einen Teller und eine Gabel in die Hand, gegessen wird im Cockpit oder im Salon. Mit den Füßen irgendwo gegenstemmen und mit der Hand den Teller gerade halten. Die Welle rollen vierkant von der Seite unter dem Boot hindurch, da geht natürlich auch das Essen von Backbord nach Steuerbord.

Leider geht das Essen später auch Überbord, Neptun fordert seinen Tribut. Ich verschlafe das alles, und kann hier nur aus zweiter Hand berichten. Während ich mich auf die Hundewache durch intensivstes Ausruhen vorbereite, fällt Klaus am Ende seiner Wache leider aus. Als ich meine Wache antreten will und eigentlich für die Mitsegler mit Tee und Kaffee kochen ein gutes Werk vollbringen will, muss müssen wir erst mal Krankendienst machen.

Wir bringen Neptuns Opfer mit gutem Zureden unter Deck. Es braucht dafür etwas Überredungskunst und fürsorgliches Eimer halten. Etwas Wasser zum Trinken ist nie verkehrt, bleibt aber diesmal leider nicht am Bestimmungsort. Mit gutem Zureden geht es dann doch in die Koje. Das klingt zwar für die Betroffenen immer schlimm, aber bisher sind alle mir bekannten Fälle nach wenigen Minuten eingeschlafen. So auch diesmal.

Nun ist das ganze Wachsystem natürlich hinfällig. Ich beginne erstmal meine Wache. Um 00:00 Uhr liegt Arum Stb. querab, Amrumbank liegt Bbd. Der Wind weht unvermindert mit 25 kn aus SSO und die Wellen schaukeln die Yacht weiter durch.

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