SchleimuendeHeute wollen wir einen ganz langen Schlag hinlegen. Wollen ist dabei nicht ganz richtig, eigentlich ist der Törn heute alternativlos: Nach Dänemark oder Mecklenburg-Vorpommern dürfen wir nicht, Lübeck ist nicht wirklich verlockend, da wir dort auch die nächsten Tage wieder "raus" müssen. In der Hohwachter Bucht hat die Bundeswehr auch die Corona Zeit hinter sich gelassen und schießt, da dürfen wir nicht durch. Dem Wind nach könnte Schleimünde heute ein heißer Kandidat werden: 

DWD, vorhersage von 03:12 UTC, Vorhersagt gültig bis heute Nacht:
Westliche Ostsee: West um 5, vorübergehend etwas abnehmend, vorübergehend südwestdrehend, später strichweise diesig, See 1 Meter.  

Mit einem Dreher auf Südwest könnten wir Maasholm mit Glück ohne längerem Kreuzschlag erreichen. Wir hören um 11:00 Uhr noch Todendorf Radio. Der Kiel-Fehmarnsund-Weg ist freigegeben. Das freut den Skipper, können wir so (theoretisch) einen direkten Kurs von Heiligenhafen nach Schleimünde absetzen.

 

Claus bringt uns aus der Box vor den Graswarder. Dort setzen wir die Segel und ab geht die wilde Fahrt. Ich funke noch das östliche Sicherungsboot der Marine an. Von dort wird mitgeteilt, dass wir nördlich des Kiel-Fehmarnsund-Wegs frei navigieren dürfen. 

Wir gehen hoch an den Wind, aber der Kurs bringt uns eigentlich gar nicht in Richtung des Schießgebietes. Der Wind kommt (noch) aus West mit ca. 10 kn und würde uns eigentlich perfekt in nach Bangkok (Bagenkop) bringen. Wir müssen höhe Kneifen und schon in Höhe Flügge wird klar, dass wir das so nicht in die Schlei kommen. Kneifen wir zu viel, bleiben wir stehen, kneifen wir zu wenig, kommen wir in Bangkok an.

Wir ziehen erst mal davon und hoffen darauf, dass der Wind bald rückdreht. Das Wetter ist wie vorhergesagt grau in grau und wir können tatsächlich (über) 50 verschiedene Grautöne identifizieren. Fehmarn erscheint grau mit grauen Bäumen, dazwischen graue Gebäude und am Ende nur noch graue Windräder. Der Leuchtturm von Flügge nimmt langsam die graue Farbe des diesigen Horizonts an. Auf der anderen Seite ist das graue Sicherungsboot vor dem grauen Horizont schemenhaft auszumachen. Es gibt graue Wolken mit Regen, graue Wolken mit etwas weniger Regen, graue dieseige Wolken, graue hängende Wolken, graue Wolken mit etwas Sonne dahinter, graue Wolken.... und dazu noch das grau grüne Wasser mit kleinen grauen Schaumkronen, kleine graue Wellen, große graue Wellen mit etwas grün drin. 

Uns kommen dann doch graue Segel entegegen, die einzigen drei Segler heute. Ansonst sind wir allein.

Der Wind kommt weiter aus westlicher Richtung, von Südwest ist nichts zu merken. Claus hat Spaß an seinem neuen Job als Rudergänger. Kaum das ich mich mal ans Ruder drängen kann, fragt er schon nach 15 Minuten, ob er mich ablösen darf... Zwischendurch drehen wir bei und machen 10 Minuten Pause. 

Langsam scheint doch ein Winddreher zu kommen, wir können mitlerweiler an der nördlichen Grenze des Schießgebietes entlangfahren. Unseren Plan B, im Zweifelsfall in die Kieler Förde abzulaufen, können wir damit auch vergessen. Da kommt der Wind jetzt ganz genau her. Dafür schaffen wir aber einen Kurs, der uns in etwa in Richtung Schleimünde führt. Wir kneifen also weiter Höhe, um nicht zu spät anzukommen.

So ziehen wir noch eine ganze Weile dahin und erfreuen uns dem eigentlich sehr gutem Segelwetter: Welle 0,5 m - 1 m, Wind ziemlich beständig mit ca. 15 kn - 17 kn. Zwischendurch reffen wir mal das Groß, dann reffen wir es aus, dann kommt etwas Nieselregen mit mehr Wind, dann reffen wir wiede rein... es läuft einfach gut. Leider dreht sich auch der Wind langsam wieder in Richtung West. In die Schlei kommen wir damit nicht, da müssen wir mindestens einen langen Kreuzschlag machen. Wir koppeln unseren Kurs und schätzen unsere Ankunftszeit. Unter idealen Bedingungen würde das wohl nach 22:00 Uhr werden. Im Gegensatz dazu können wir mit Motorunterstützung und wenig Lage wohl erheblich mehr Höhe laufen, ohne an Geschwindigkeit zu verlieren. 

Wir probieren es einfach aus. Motor und Großsegel zusammen bringen uns auf einen fast direkten Kurs zur Ansteuerungstonne Schleimünde. Später nehmen wir noch das Groß rein, wir fahren mit ca. 4 - 5 Knoten direkt gegen den Wind. Zugegeben, wir haben zwar eine Segelyacht, aber wir müssen heute auch keine Heldentaten mehr vollbringen. Fehmarnsund Hannover

Ralf ist in der Zwischenzeit von Segelyacht aufs Kajak umgestiegen und schickt ein Foto der "Hannöverschen Fehmarnsundbrücke": 

So schaffen wir es doch um 21:15 Uhr fest in Maasholm zu sein. Der Anleger schmeckt heute besonders gut und zum Abendessen muss das Notfallessen herhalten: Dosensuppe mit Würstchen. 

Kalender

Anmeldung