Gegen 20:00 Uhr ist die Ruhe beendet. Wir machen uns bereit für den ersten Törnabschnitt. Die Wettervorhersage für die Nacht verspricht einen wolkenlosen Himmel mit Schwachwind. Eigentlich ein tolles Wetter für den Gennaker, aber bei Nacht will ich das nicht (zum ersten Mal) testen. Nachdem wir bereit sind, legen wir um 22:00 Uhr ab. Heute ist die kürzeste Nacht des Jahres und es wird immer eine Dämmerung bleiben. Es gibt kein Schießbetrieb, sodass wir quer durchs Warngebiet in der Hohwachter Bucht fahren können.

Als wir um 22:40 Uhr um Heiligenhafen Nord fahren, ist es noch hell. Das erleichtert uns hier die Navigation. Vorbei an der Ansteuerungstonne zum Fehmarnsund geht es direkt auf 288 Grad in Richtung Kiel Leuchtturm. Die Sperrgebietstonnen blinken in einem warmen gelben Licht und zeigen, dass wir auch Kurs sind.

Gegen 01:00 Uhr gesellt sich auch der Mond zu uns. Es ist "3/4 Mond" und beim Aufgang erscheint der Erdtrabant wie ein dunkel orange-rotes Gennaker. Es sieht so aus, als ob Segler sich mit uns ein Rennen liefern will. Natürlich alles nur ein Trugbild, das nach 10 Minuten wieder vorbei ist. Leider haben wir keine Chance, das mit der Kamera einzufangen.

Alsbald ist Kiel Leuchtturm mit seinem Gleichtaktfeuer in Sicht. Ein paar Stunden später kommt Leuchtturm Bülk hinzu. Wenn Bülk von Grün auf Weiß wechselt, kann man schon auf Bülk zufahren. Allerdings müssen wir noch zwei Sperrgebiete nördlich der Kolberger Heide passieren... Wir verlangsamen etwas die Fahrt, um die Sperrgebiete in der Dämmerung vor Sonnenaufgang besser ausmachen zu können. Der Plan geht auf und so können wir das VTG Kiel Leuchtturm umgehen.

In der Nacht ist es doch etwas kühl geworden, und so freuen wir uns über den Sonnenaufgang pünktlich um 04:54 Uhr. Bis es uns wieder warm wird, dauert es aber noch drei Stunden.

Wir fahren bis Kiel 2, lassen einen Frachter passieren und können ungestört auf der grünen Seite bis zur Friedrichsorter Enge fahren. Die Tonnen stellen ihr Leuchten ein, Leuchtturm Friedrichsort hält mit seinem Grün und Weiß etwas länger durch. Wir kürzen durch Holtenau Reede ab und sind gegen 05:45 Uhr vor der Schleuse Holtenau.

Hier merken wir die letzten zwei Nächte und den fehlenden Schlaf. Wir sind für die Schleusung vorbereitet, Fender und Leinen liegen passend an Deck und so darf jeder von uns im Wechsel für 30 Minuten dösen und die Augen zu machen. Nachdem jeder 2 mal dösen durfte, bekommen wir unser Einfahrtsignal. 

Die Sonne hat nun wieder Kraft, um uns den Schlaf aus den Gliedern zu jagen. Hinzu kommt auch die Aufregung, neben einem richtig großen Pott durch die Schleuse zu gehen. Wir liegen neben der "Seine Highway", einen 150 Meter langen Autotransporter. Die Schleusung läuft wie im Bilderbuch und nachdem wir ca. 50 cm tiefer liegen, geht es raus auf den Kanal.

Wir steuern erst mal die Bezahlstation am Nordufer an, und nach 18 Euro dürfen wir weiter. Die Seine Highway lassen wir an dieser Stelle den Vortritt, die fährt sowieso viel schneller. Denken wir zumindest, aber in der nächsten Weiche holen wir wieder auf. Warten ist angesagt...

Drei Gegenkommer später geht es noch 5 km weiter und wir biegen in den Flemhuder See ein. Hier machen wir um 09:30 Uhr Pause, Frühstücken und legen uns "kurz" Schlafen. Um 14:00 Uhr fahren wir weiter, etwas später als geplant. Zwei Stunden ereignislos geradeaus, und wir biegen in den Obereidersee ab. Direkt in der Innenstadt von Rendsburg hat der Regattaverein Rendsburg (RVR) seine Stege. Wir kurven einmal um die Stege, fahren in eine Box, und nachdem wir uns eine gute Strategie ausgedacht haben, fahren wir in eine schöne Box. Zwar haben wir kurz Hektik, weil eine Leine ein Eigenleben entwickelt und sich vertörnt, aber wir kommen ziemlich gut in die Box. Das Hafenkino liefert etwas später jemand anders, dafür aber richtig...

Der nette Hafenmeister kassiert 18,- Euro für eine Nacht inkl. Strom und Wasser. Duschen kosten 1,- Euro. Die Anlagen sind sauber und gut gepflegt. Hier ist man direkt in der Innenstadt mit allen Versorgungsmöglichkeiten, liegt aber trotzdem ruhig. 

Nach einer ausgiebigen Dusche haben wir leider keine Energie mehr für irgendwas. Wir kehren im Hafen im Restaurant "River Side" ein, wo man uns gut verpflegt. Der Preis ist normal, das Essen gut und es gibt natürlich Flens vom Fass.

Nach dem Essen fallen wir total übermüdet in die Kojen. Der Tag war einfach zu lang und die Anreise nach Heiligenhafen vorweg fordern nun ihren Tribut...

Gute Nacht.

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