Heute beginnt nun tatsächlich unsere Heimreise. Ich falle (ausnahmsweise) mal früh aus der Koje. Zu zweit wird noch im Dunkeln Kaffee gekocht. Wir müssen noch Brötchen für das Frühstück und etwas Wasser für die Überfahrt kaufen. Ein kleiner Laden ist 15 Minuten Fußweg entfernt, das Sortiment ist nicht groß, aber es gibt frische Brötchen.

Wir müssen heute 60 Meilen abspulen, einen frühen Start werden wir deswegen aber nicht hinlegen. Im Gegenteil, nach dem Frühstück bleibt noch Zeit für etwas Hafenkino, die Alexander von Humbold II läuft ein, und das wollen wir nicht verpassen.

Der Wetterbericht gibt uns nachher ca. 15 Knoten aus ONO, das ist etwas wenig zum schnellen Segeln. Wir wollen uns überraschen lasse. Einen endgültigen Plan haben wir noch nicht gefasst, wie wir unser Ziel erreichen wollen. Möglich ist nördlich um Gomera zu fahren, dann müssen wir viel Höhe kneifen, oder südlich zu fahren, dann könnten wir die längere Strecke vermutlich schneller fahren. Die Entscheidung wollen wir an der Südspitze Punta de Fuencaliente treffen.

 

Um 10:15 wollen wir zur Tankstelle verholen, aber der Tankwart gibt uns zu verstehen, dass es den günstigen Diesel 0,957 Euro/Liter heute nicht mehr gibt. Also machen wir uns auf den Weg. Wind haben wir nicht. Das Meer ist spiegelglatt, lediglich eine leichte Dünung hebt und senkt das Boot ganz sanft, als ob die Avalon sanft in den Schlaf gewogen werden soll.

Um 11:15 begegnet uns eine Schule Delfine, die Fotokameras werden gezückt, der Autopilot übernimmt das Ruder und alle stehen am Bug und bestaunen die Außenbordkameraden.

Um 12:15 Uhr haben wir die Südspitze Punta de Fuencaliente querab, der Wind kommt hier plötzlich um die Kurve und wir können endlich segeln.

Die Höhe für eine Nordumrundung schaffen wir hier nicht. Wir entscheiden uns für den Südkurs und das Boot geht mit 6 Knoten durch die See.

Ein schöner Segeltag mit Sonne und einer beständigen Brise aus ONO lassen die Meilen bis La Gomera schrumpfen. Die Dünung rollt lang und ruhig unter dem Boot durch, die Windsee legt sich aus der selben Richtung einfach mit darauf. Ein schöner Segeltag, eigentlich ein Picknick auf dem Wasser.

Zwischenzeitlich entscheiden wir uns endgültig für die südroute bis San Sebastian. Zwischendurch diskutieren wir Plan C, ob wir (wieder) nach Vueltas/Valle Gran Rej gehen, aber die Aussicht auf eine Dusche und die bessere Versorgung lassen uns bis San Sebastian durchhalten.

Die Sonne taucht schließlich in einem warmen orange-rot in den dunkelblauen Atlantik. Ein Anblick, den man nur vom Boot aus hat. In der Ferne können wir die Leuchtfeuer von Hiero ausmachen. Wir schalten auch die Laternen an, und ich begleite unsere Fahrt am Radargerät. Lange ist die Ausbildun und Prüfung her, und ich freue mich, das alles hier mal wieder auffrischen zu können. So geht es durch die tief schwarze Nacht unter einem sternenklaren Himmel. In der Ferne können wir bald die Lichter von Santiago und kurz darauf auch schon die Hafeneinfahrt von San Sebastian der La Gomera ausmachen.

Das Torfeuer weist uns den Weg hinter die Mole, und um 21:15 Uhr sind wir fest.

Wir warten gar nicht lange, sondern gehen schnell in ein nahegelegenes Restaurant. Grillteller werden bestellt, und die ausgehungerte Meute stillt ihren Hunger.