Nach der gestrigen Nacht schlafe wir heute aus. Kaffe wird gekocht, Rührei steht auch schnell auf dem Tisch und ein schönes Frühstück unter freiem Himmel ist ein toller Start in den Tag.

Wir überlegen, wie es weiter gehen soll oder kann. Wir müssen heute am 3. Tag schon an die Rückreise denken! Eine Woche ist einfach zu kurz.

Heute wolle wir nach Puerta de Tazacorte, morgen dann mit einem langem Schlag nach San Sebastian de Gomera und von dort schauen wir weiter. Von Gomera aus könnten wir im schlimmsten Fall an einem Tag nach Marina del Sur / Amarilla Marina zurück.

Zwei Mitsegler beschließen die Reise über die Insel per Bus zu absolvieren und machen also einen Landausflug.

Die entscheidende Frage ist noch: segeln wir nördlich oder südlich um die Insel. Wir entscheiden uns für die kurze Südroute. Die nördliche Route ist ca. 10 sm länger. Die Wettervorhersage gibt uns bis zum südlichen Punkt Punta de Fuencaliente ca. 15 kn aus NO. Um 10:25 Uhr legen wir ab.

Vor der Hafenmole merken wir, dass es etwas weniger Wind als vorhergesagt. Also müssen wir die erste Stunde motoren. Dann können wir mit der Genua für Vortrieb sorgen, und kurz darauf segeln wir mit Vollzeug was das Zeug hält. Naja, zumindest mit 5 Knoten, aber das reicht uns heute.

Wir fahren Raumschots und Schmetterling bis zur Punta de Fuencaliente. Um 13:20 Uhr haben wir den Leuchtturm Querab und wir Halsen um die Ecke. Wir nutzen noch die restlichen Böen, die es um die Ecke schaffen, aber bald sind wir im Windschatten der Berge.

Die Küste fällt hier steil ab, viel hat sie nicht zu biete, außer man interessiert sich für Vulkanologier oder Geologie. Die letzten Vulkanausbrüche haben hier einen Schutt- und Geröllkegel hinterlassen, dessen grau und schwarz von rostbraunen Stellen unterbrochen wird. Viel wächst nicht auf den Hängen, Bäume stehen vereinzelt, als stemmten sie sich gegen das Geröll.

Am Fuße, knapp oberhalb der Wasserlinie reiht sich jedoch Plantage an Plantage. Hier wachsen die leckeren Obstsorten, die heute als Mittaagsnack auf den Tisch kommen: Bananen, Ananas, Orangen und viele weitere Leckereien werden hier angebaut. So zieht sich die Landschaft die 10 Meilen bis zum einzigen Hafen an der Westseite der Insel hin.

Das Duett aus Motor und Autopilot verrichtet seinen Dienst, das monotone Brummen des Volvo Penta unter Deck sorgt für eine vertraute Geräuschkulisse. Wir sitzen lieber an Deck, genießen die Sonne und freuen uns des Tages. Wolken schaffen es nicht über die Caldera de Taburiente in 1500 m Höhe. Wie ein Wanderer nach einem beschwerlichen Anstieg fallen sie hinter der Hochebene in sich zusammen.

Um 15:45 Uhr sind wir fest in Puerto de Tazacorte. Zwei Marineros treideln uns in eine Box an einen Fingersteg. Der Steuermann fühlt sich sehr bevormundet, ist aber letztlich gegenüber dem Befehlston der Marineros machtlos.

Die Busfahrer sind kurz darauf auch wieder an Bord und wir genießen schon den Anleger, während Ralf sich durch die spanische Grenzkontrolle und zugehörige Verwaltung quält. Wir befinden uns hier immerhin an einer Außengrenze der EU (und Schengen) und die muss auch hier geschützt werden.

Der Hafen hier ist relativ neu und die Anlagen sind ein einem entsprechenden Zustand. Wir gehen noch zu Fuß an den Strand und genießen dort einen kleinen Snack an einen der Strandbars. Hier ist alles fest in deutscher Touristenhand.

Nach einem Abendessen an Bord plündern wir unsere Rotwein Vorräte unter einer Sternenklaren Nacht.