Für heute haben wir uns (eigentlich) die Rückfahrt vorgenommen. Gestern wurde aber schon zu viel Wind für uns vorhergesagt, sodass wir erst einmal ausschlafen. Nach einer (kostenlosen) Dusche hole ich in strömenden Regen die Brötchen und wir frühstücken ausgedehnt.

Dann heißt es warten. Der Wind heult draußen mit 35 Knoten (8 Bft.) um den Mast, während wir drinnen warm und trocken sitzen. Die Windvorhersage hat für ca. 15 Uhr einen Winddreher und abnehmenden Wind angesagt. Damit können wir dem Sturm hinterherfahren. Mit etwas Glück kommen wir dann trocken nach Heiligenhafen.

Die Zeit bis dahin vertreiben wir uns mit Video, PC, lesen oder hören einfach auf Funk eine Hilfsaktion der Nis Randers vor Schleimünde zu. Dort hat eine Motoryacht einen Maschinenschaden und wird von Onkel Willi und Nis Randers nach Maasholm geschleppt. Wir beobachten auf Marinetraffic eine Charteryacht vor der Kieler Förde. Warum die heute raus sind?

Wir kochen uns zum Mittag ein paar Nudeln. Nach dem Essen schauen wir dann weiter.

Pünktlich um 15:00 Uhr hört der Regen auf und der Wind nimmt ab. Das ist unser Zeichen. Der DWD gibt um 11:42 folgende Vorhersage raus:

wechselnde Richtungen 3-5 vorrübergehend nördliche Winde um 6, NW drehend, etwas abnehmend, anfangs starker Regen, sonst Schauer- und strichweise Gewitterböen, See 1,5 m

Damit ist unser Plan fest, wir verlassen La Böe und fahren los. Um 15:30 Uhr bringe ich uns diesmal ohne Zwischenfall in die Kieler Förde. Das Gross geht ins 3. Reff und der arbeitende Teil wird vom gesammelten Wasser aus den Lazybags geduscht. Am Ruder stehe ich dagegen trocken. Die Genus setzen wir 1/3 dazu und wir beginnen unsere Fahrt  mit 5 - 6 Knoten.

Wir verlassen bald das Fahrwasser und biegen nach Osten über die Kolberger Heide ab. Die Welle und der Wind kommen Raumschots und insgesamt läuft es gut. Was nicht gut läuft ist die Vorhersage... Eigentlich sollte der Wind abnehmen, das hat ihm nur keiner gesagt. Und wenn sich der Wind nicht an die Vorhersage hält, warum sollte die Welle das dan tun?

So nimmt der Wind langsam aber stetig zu statt ab bis er in der Spitze 35 Knoten erreicht. Die Welle klettert entsprechend höher und einzelne Wellen erreichen gut und gerne 3 Meter. Ich lasse mich am Ruder von Ralf ablösen. Leider können wir das Ruder nicht an Michael oder Alexandra übergeben, dass ist einfach ein wenig zu viel. Dennoch haben die beiden ihren Spaß, Seekrank wird heute niemand.

So fahren wir in die Nacht. Schnell ist das Leuchtfeuer Flügge auszumachen, wir haben ein Ziel vor Augen. Die Lichter von Heiligenhafen leuchten uns den Weg, aber da dürfen wir noch nicht hin. Die Lichterschau ist natürlich ein Paradebeispiel für die Navigation bei Nacht. (Alles so geplant!)

Der Mond wird unser Begleiter, als er fast schüchtern hinter den Wolken hervorguckt. Gerade so viel um nachzusehen, ob wir noch da sind. Sind wir und er versteckt sich wieder hinter den Wolken. Wie gut, dass er auf uns aufpasst. 

Wir biegen auf den Leuchtturm Heiligenhafen ein und hinter dem Graswarder ist schlagartig die Welle weg. Michael übernimmt das Ruder und fährt uns in den sicheren Hafen. Um 21:15 Uhr sind wir fest. 

Schnell ist das "Notfallessen" auf dem Herd, die Anleger klingen beim Anstoßen zum letzten Mal auf diesem Törn. Die letzten Erdnüsse werden vernascht und der Linseneintopf mit Wurst schmeckt einfach vorzüglich. Schnell noch ein paar Nachrichten an die Freunde und jeder kriecht in seine Koje.