Wir starten nicht ganz so früh in den Tag. Der Wetterbericht hat uns für den Vormittag noch Regen vorhergesagt, den wollen wir etwas abwarten. Wir schlafen also aus und starten mit einem späten Frühstück in den Tag. Alexandra und Michael nutzen die verbleibende Zeit bis zum Ablegen für einen Rundgang durch Schleswig. Ralf und ich arbeiten jeweils an unseren Seiten und den Logbüchern.

Nach einem schönen Stück Kuchen und Kaffe starten wir um 15:00 Uhr die Maschine. Wir wollen nur bis Kappeln, da haben wir alle Zeit der Welt. Den Wind haben wir schön von Achtern, sodass wir ab 15:20 mit der ganzen Genua uns über das Wasser ziehen lassen. Von der gestrigen Schlacht um die Stexwiger Enge ist nichts mehr zu sehen.
Wir passieren die Missunder Enge, die Fähre wartet auf unsere Durchfahrt. Danke schön!

Wir schaffen nicht genau die Brückenöffnung, sodass wir uns zum Spielen ins Gunnebyer Noor verziehen. Um 17:30 Uhr nehmen wir langsam Kurs auf die Brücke Lindaunis.
Der Chef persönlich steuert uns mit der Genua kreuz und quer durch das Fahrwasser, um die Zeit vor der Brücke zu verbummeln. Wir fahren quer, wir fahren kreuz. Wir haben noch etwas mehr Zeit. Wir fahren kreuz, wir fahren qu... wir stecken fest!
In diesem Moment geht die Brücke auf!

Was tun? Es bricht keine Panik aus, aber wir wollen doch schnell frei kommen, um die Brückenöffnung nun nicht zu verpassen. Sonst müssen wir 1 Stunde warten!
Maschine an, volle Kraft zurück, Genua bergen und alle nach Achtern und wippen. Hilft nichts.
Genua setzen, um Lage ins Boot zu bekommen. Hilft, auch nichts, im Gegenteil. Die Genua zieht uns in dem Wind weiter nach vorne auf den Sand. Genua also wieder weg.
Gross setzen! Das bringt Lage ohne Vortrieb. Wir kriegen das Gross hoch, nicht sauber, aber wir bekommen die gewünschte Krängung.
Dann schlägt meine große Stunde: Ich hänge mich an meiner Rettungswest in das Spifall ein, lehen mich außenbords und schwinge mich beherzt nach Lee. Leider habe ich die Länge des Spifalls nicht gut abgeschätzt. Ich bekomme nasse Füße. Ein Ruck geht durchs Schiff, ich schwinge zurück und mit einem zweiten Ruck kommt die Kalami Star frei. Ich hänge derweilen hilflos über dem kalten Wasser.
Wir fahren aber und Ralf hat nun zu viel auf einmal zu tun. Motor, steuern, Grossschot dicht holen, Leinen aufklaren, mich mit dem Spi wieder an Bord holen, durch die Brücke fahren...
Alles der Reihe nach. Michael fährt uns durch die Brücke, während Ralf die Leinen klar macht, Alexandra hilft mir, mich wieder an Bord zu schwingen und nach 5 Minuten lachen wir alle über den Zwischenfall.
Wir fahren durch die Brücke und an einer etwas breiteren Stelle bergen wir das Gross.
Ich ziehe mir erst mal trocken Socken an, während die restliche Crew die Genua wieder setzt und wir unter Segel weiter nach Kappeln fahren.

Wir machen uns zwischenzeitlich Gedanken, wie wir in Kappeln bei Strom und Wind anlegen werden. Verschiedenen Möglichkeiten werden besprochen. Ein Blick auf die Karte verrät uns aber, dass bei Kappeln die Schlei in Nord-Süd Richtung verläuft. Wenn wir im Hafen sind, würden die Boxen entweder gegen oder mit dem Wind verlaufen. Den Wind können wir also erst mal vernachlässigen. Wenn wir eine Box zum Ufer hin bekommen, dann könnte es sein, dass der Strom dort weniger setzt.

Und so kommt es dann auch. Wir nähern uns einem schönen Liegeplatz und ohne Strom und Wind gleiten wir lautlos in die Box. Wir haben Glück beim Anlegen und zeigen kein Hafenkino. Das haben wir ja schon vor der Brücke Lindaunis geliefert, aber wenn keine zusieht, können wir ja auch nix dafür.

Den Anleger haben wir uns heute redlich verdient und etwas später kehren wir bei einem guten Griechen zu einem reichhaltigen Abendessen ein. Wir amüsieren uns noch den ganzen Abend über meine Tarzan Einlage an der Liane.